Livestream Folge 2: Ist 75 zu spät für den Motorradschein?
Ist 75 zu spät für den Schein?
Muss es wirklich eine Tausender sein als erstes Bike?
Und wie fängt man Motorradfahren eigentlich vernünftig an?
Genau solche Fragen sind in den letzten Jahren in den Kommentaren gelandet. Gestern habe ich sie in Livestream Folge 2 durchgesprochen – ohne Parcours, ohne Show. Nur Talk. Vorzeigen kommt im September.
Hier bekommt ihr die Übersicht, was wir klären – und schriftlich die ersten 25 Minuten. Den Rest schaut ihr im Stream.
Hier geht’s zum ganzen Livestream →
Welche Fragen wir klären
Der Stream ist knapp eineinhalb Stunden. Der rote Faden:
- Ist 75 zu spät – oder gibt’s überhaupt eine Altersgrenze?
- B196 zuerst oder lieber A2?
- Tausender als erstes Bike – geht das, oder setzt man sich zu viel vor?
- Warum sich das Bike am Anfang jeden Tag anders anfühlt
- Nach dem Unfall / Umfaller: wieder rauf, und wie?
- Angststreifen: Schimpfwort oder Reserve?
- Gruppe: wer fährt vorne, und wann ist allein klüger?
- Eure Fragen aus dem Chat (Open Mic)
Unten die ersten 25 Minuten – Alter, Schein, Erstbike, Gefühl. Alles danach: im Livestream nachschauen.
Alter spielt keine Rolle
Ich habe auf Instagram gefragt, mit welchem Alter ihr angefangen habt. Der Post ist durch die Decke gegangen – über 700 Kommentare. Der Älteste, der bei uns aufgetaucht ist: 75.
Kann man mit 75 noch anfangen? Meine klare Antwort: Das Alter spielt keine Rolle. Ob 50, 60, 70 – oder 16, 18 – ist völlig wumpe. Es geht darum, dass ihr Spaß habt. Und dass ihr trainiert.
Im höheren Alter werdet ihr vorsichtiger. Das ist kein Fehler. Dagegen arbeitet ihr nicht mit einem ADAC-Termin im Jahr. Sondern mit Regelmäßigkeit. Sonntags 20 Minuten Vollbremsung auf dem IKEA-Parkplatz reicht zum Anfangen.
Die Gefahrenbremsung habt ihr als Übung der Woche – Parkplatz reicht.
B196 oder lieber A2?
B196 kommt oft mit: wenig Stunden, 125er, jemand der vorher nie Motorrad gefahren ist – und dann Straße. Pendeln in Deutschland kann gehen. Österreich, Schweiz, EU-Ausland wird eng.
Ich bin deshalb oft bei: zumindest A2. Mehr Fahrschule, ja. Von nichts kommt nichts. Es ist auch ein Geldthema – das ist ehrlich. Aber Use-Case zuerst: Wo fahrt ihr wirklich?
Tausender als erstes Bike?
Eine Tausender hat oft gutes Material. Bremsen, Fahrwerk, Schub. Keine Frage.
Aber über 100 PS heißt auch: Gewicht (230–250 Kilo sind eine Hausnummer), anderer Lenkanschlag, anderes Standgas, mehr Kupplung wenn’s langsam wird. Wer Gas gibt, muss auch bremsen. Und das traut sich nicht jeder.
Ich bin kein Fan von: Fahranfänger kauft sich eine S1000RR mit allem Drum und Dran. Lieber kleiner starten, Technik sauber holen – die überträgt sich. Große Bikes schließe ich nicht aus. Ich setze die Herausforderung runter.
Wie beim Kind und Fußball: nicht gleich die 500-Euro-Schuhe. Lieber Budget in Schutzkleidung und Training. Bike gebraucht. Dafür gibt’s die Checkliste gebrauchtes Motorrad – und die ältere Serie Die Motorrad-Wahl.
Warum sich das Bike jeden Tag anders anfühlt
Für uns Fortgeschrittene ist vieles klar. Ein Anfänger fragt: Ist das normal, dass es sich heute anders anfühlt als gestern?
Ja. Regenkombi plus entgegenkommender Lkw haut dich fast vom Bock – für uns Abstand, für den Anfänger neu. Schwammig oft Luftdruck. Nass und kalt fährt sich anders. Alte Maschinen klingen anders als 2015er.
Nach 2,5 Stunden ist ein Anfänger oft leer. Wir filtern Gullydeckel weg. Der nimmt den mit: drumherum? Bremsen?
Und die Tage, an denen es nicht läuft: müde, Wetter, Stress. Dann 60 statt 100 auf der Landstraße. Das ist Reflexion. Kein Versagen.
Nach dem Unfall: erst erklären
Viele kommen ins Training und waren schon mal hin. Danach die Kurven ultra vorsichtig oder unsicher.
Mein erster Zug: Erklärbarkeit. Warum ist der Unfall entstanden? Maschine, Luftdruck, Kies, Gegenverkehr, Fahrbahn – oder eigener Fehler? Nur daraus könnt ihr lernen.
Ab da wird’s im Stream tiefer – Umfaller, wieder rauf, klein starten. Schriftlich reicht der Kern: nicht schämen, verstehen, klein wieder aufbauen. Mehr dazu auch unter Crash-Kommentar: Lernen aus Motorradunfällen.
Mehr – im Livestream
Angststreifen, Gruppe, Open Mic und der Rest nach den ersten 25 Minuten: hier im Livestream Folge 2 nachschauen.
Was ihr aus den ersten 25 Minuten mitnehmen könnt
- Alter ist keine Grenze. Training ist die Grenze.
- Schein-Wahl nach Use-Case, nicht nach Image.
- Erstes Bike: Level runtersetzen. Technik vor Kubik.
- Komische Gefühle ernst nehmen – oft ist es Input, nicht „du kannst das nicht“.
- Nach dem Unfall: erst die Geschichte verstehen.
Willst du besser werden? Eine Übung für diese Woche reicht zum Start. Alles gesammelt: Übungen der Woche.
Wer zuerst hören will, wie Fahrlässig entstanden ist: Livestream Folge 1 – was hinter Fahrlässig steckt.
Fragen? Schreib sie unter den Stream oder hier in die Kommentare. Die nächsten Lives leben davon.
In diesem Sinn,
die Linke zum Gruß
Matze
